LGBl. Nr. 83/2006
LGBl. Nr. 83/2006
Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 29. Mai 2006 über die Erklärung des Gebietes „Niedere Tauern“ (AT 2209000) zum Europaschutzgebiet Nr. 38 (LGBl. Nr. 83/2006)
Langtitel
Verordnung der Steiermärkischen Landesregierung vom 29. Mai 2006 über die Erklärung des Gebietes „Niedere Tauern“ (AT 2209000) zum Europaschutzgebiet Nr. 38
Stammfassung: LGBl. Nr. 83/2006 (CELEX-Nr. 31979L0409 )
Änderung
LGBl. Nr. 162/2006
LGBl. Nr. 21/2008 (CELEX-Nr. 31979L0409 , 32003R0807 )
LGBl. Nr. 35/2008 (KB)
LGBl. Nr. 23/2011 (CELEX-Nr. 32009L0147 )
LGBl. Nr. 75/2021 [CELEX-Nr.: 31992L0043 , 32009L0147 ]
Präambel/Promulgationsklausel
Auf Grund des § 13a Abs. 1 des Steiermärkischen Naturschutzgesetzes 1976, LGBl. Nr. 65, zuletzt in der Fassung LGBl. Nr. 56/2006 , wird verordnet:
§ 1
Gegenstand
Das Gebiet „Niedere Tauern“ mit den Gemeinden Aigen im Ennstal, Bretstein, Donnersbach, Donnersbachwald, Gaal, Gaishorn, Gössenberg, Großsölk, Haus, Hohentauern, Kalwang, Kleinsölk, Krakaudorf, Krakauhintermühlen, Lassing, Mautern in Steiermark, Michaelerberg, Oberkurzheim, Oberwölz-Umgebung, Öblarn, Oppenberg, Pichl-Preunegg, Pöls, Pruggern, Pusterwald, Rohrmoos-Untertal, Rottenmann, St. Johann am Tauern, St. Marein bei Knittelfeld, St. Nikolai im Sölktal, St. Oswald-Möderbrugg, St. Peter am Kammersberg, Schöder, Schönberg-Lachtal, Seckau, Treglwang, Trieben, Wald am Schoberpaß, Winklern bei Oberwölz wird zum Europaschutzgebiet erklärt. Dieses Gebiet wird als Europaschutzgebiet Nr. 38 bezeichnet. Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 162/2006 , LGBl. Nr. 23/2011
§ 2
Schutzzweck
Das Gebiet dient dem Schutz von Schutzgütern nach der Vogelschutz-Richtlinie (Anlage A) und bezweckt: 1. die Erhaltung und Wiederherstellung einer ausreichenden Vielfalt und einer ausreichenden Flächengröße der Lebensräume für die Anhang-I-Vogelarten; 2. die Bewahrung und Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustands für die Anhang-I-Vogelarten; 3. die Erhaltung der Vermehrungs-, Mauser- und Überwinterungsgebiete sowie der Rastplätze in den Wanderungsgebieten für die Zugvögel. Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 23/2011
§ 2a
Ziele
(1) Der günstige Erhaltungszustand der in der Anlage A genannten Schutzgüter ist dauerhaft zu sichern.
(2) Im Falle einer aus naturschutzfachlichen Gründen notwendigen Prioritätenreihung der Schutzgüter kommt dem Mornellregenpfeifer (Charadrius morinellus) bei der Umsetzung des Schutzzwecks oberste Priorität zu. Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 23/2011
§ 2b
Maßnahmen
(1) Die Ziele sollen insbesondere erreicht werden durch die Erhaltung und Entwicklung von a) zur Brut für Spechte, Kleineulen und andere Höhlenbrüter geeigneten Alt- und Totholzanteilen; b) standortypischer Ufervegetation entlang der Fließgewässer und natürlicher Stillgewässer; c) Moorstandorten und anderen Feuchtflächen; d) Wiesen- und Weideflächen.
(2) Die Ziele sind vorrangig im Wege des Vertragsnaturschutzes zu erreichen. Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 23/2011
§ 2c
Verbote
Im Europaschutzgebiet sind nachstehende Handlungen verboten: 1. im Großen und Kleinen Lachtal zum Schutz des Mornellregenpfeifers im unmittelbaren Brut- und Jungenaufzuchtsbereich im Zeitraum vom 10. Mai bis 10. September a) jede ungebührliche Lärmentwicklung; b) Hunde frei laufen zu lassen, ausgenommen zur Jagdausübung oder des Einsatzes von Diensthunden der Exekutive, des Militärs und von Rettungshunden; 2. im Bereich von verorteten Steinadlerhorsten a) das Klettern im Umkreis von 300 m; b) das Hängegleiten, Paragleiten und der Einsatz sonstiger Fluggeräte im Umkreis von 500 m. Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 23/2011
§ 3
Abgrenzung des Schutzgebietes
(1) Die Abgrenzung des Schutzgebietes erfolgt durch planliche Darstellung in Form eines Übersichtsplanes im Maßstab 1 : 280.000 (Anlage B) und eines Detailplanes im Maßstab 1 : 5.000 (Anlage C).
(2) Der Übersichtsplan (Anlage B) und der Detailplan (Anlage C) werden durch Auflage zur öffentlichen Einsichtnahme kundgemacht. Einsicht kann während der Amtsstunden genommen werden: 1. in den Übersichtsplan (Anlage B): a) beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung bei der für Angelegenheiten des Naturschutzes zuständigen Stelle; b) bei den Bezirkshauptmannschaften Judenburg, Knittelfeld, Leoben, Liezen und Murau sowie bei der Politischen Expositur Gröbming; c) bei allen Gemeindeämtern der in § 1 genannten Gemeinden; 2. in den Detailplan (Anlage C) beim Amt der Steiermärkischen Landesregierung bei der für Angelegenheiten des Naturschutzes zuständigen Stelle. Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 21/2008
§ 3a
Kennzeichnung des Schutzgebietes
Die Kennzeichnung des Schutzgebietes erfolgt durch Tafeln gemäß § 24 Abs. 1 Steiermärkisches Naturschutzgesetz 1976. Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 23/2011
§ 4
EU-Recht
Durch diese Verordnung wird die Richtlinie 2009/147/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wild lebenden Vogelarten (Vogelschutz-Richtlinie, VS-RL), ABl. L 20 vom 26. Jänner 2010, S. 7 umgesetzt. Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 23/2011
§ 5
Inkrafttreten
Diese Verordnung tritt mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 23. Juni 2006, in Kraft.
§ 6
Inkrafttreten von Novellen
(1) Die Änderung des § 1 durch die Novelle LGBl. Nr. 162/2006 tritt mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 30. Dezember 2006, in Kraft.
(2) Die Änderung des § 3 und der Anlage A sowie die Neuerlassung der Anlagen B und C durch die Novelle LGBl. Nr. 21/2008 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 19. März 2008, in Kraft.
(3) Die Änderungen der §§ 1, 2, 4 und der Anlage A, die Einfügung der §§ 2a bis 2c und § 3a sowie die Neuerlassung der Anlagen B und C durch die Novelle LGBl. Nr. 23/2011 treten mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 31. März 2011, in Kraft.
(4) In der Fassung der Verordnung LGBl. Nr. 75/2021 tritt Anlage A mit dem der Kundmachung folgenden Tag, das ist der 29. Juni 2021, in Kraft. Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 23/2011 , LGBl. Nr. 75/2021 Anlage A Schutzgüter sind folgende Vogelarten gemäß § 4 Z 20 lit. b und Z 25 StNSchG 2017: Vögel nach der VS-RL Anhang I Code-Nr. Deutscher Name Wissenschaftlicher Name A076 Bartgeier Gypaetus barbatus A091 Steinadler Aqulia chrysaetos A103 Wanderfalke Falco peregrinus A104 Haselhuhn Bonasa bonasia A215 Uhu Bubo bubo A217 Sperlingskauz Glaucidium passerinum A223 Raufußkauz Aegolius funereus A234 Grauspecht Picus canus A236 Schwarzspecht Dryocopus martius A241 Dreizehenspecht Picoides tridactylus A480 Blaukehlchen Cyanecula svecica A659 Auerhuhn Tetrao urogallus A713 Alpenschneehuhn Lagopus muta helvetica A727 Mornellregenpfeifer Eudromias morinellus A876 Birkhuhn Lyrurus tetrix tetrix Regelmäßig vorkommende Zugvögel Code-Nr. Deutscher Name Wissenschaftlicher Name A099 Baumfalke Falco subbuteo A155 Waldschnepfe Scolopax rusticola A247 Feldlerche Alauda arvensis A250 Felsenschwalbe Ptyonoprogne rupestris A251 Rauchschwalbe Hirundo rustica A256 Baumpieper Anthus trivialis A259 Bergpieper Anthus spinoletta A261 Gebirgsstelze Motacilla cinerea A266 Heckenbraunelle Prunella modularis A267 Alpenbraunelle Prunella collaris A277 Steinschmätzer Oenanthe oenanthe A282 Ringdrossel Turdus torquatus A333 Mauerläufer Tichodroma muraria A499 Berglaubsänger Phylloscopus bonelli A574 Klappergrasmücke Sylvia curruca A687 Ringeltaube Columba palumbus palumbus A738 Mehlschwalbe Delichon urbicum Anm.: in der Fassung LGBl. Nr. 21/2008 , LGBl. Nr. 23/2011 , LGBl. Nr. 75/2021